📢Europa überdenkt die Definition von sommerlicher Überhitzung. Aber stellen wir überhaupt die richtige Frage ?

Jahrelang konzentrierten sich die meisten Bewertungen zur Überhitzung auf eine einfache Frage:

👉 Wie heiss wird ein Gebäude?

Heute wenden sich führende europäische Methoden einer wichtigeren Frage zu:

👉 Wie erleben die Bewohner die Hitze tatsächlich?

Ein Vergleich zwischen der britischen Richtlinie CIBSE TM59, der französischen Gesetzesverordnung RE2020 und der schweizerischen Norm SIA 180 zeigt drei sich ergänzende Ansätze (siehe Attia et al., 2023).

🇨🇭 Die Schweiz (SIA 180) konzentriert sich auf thermischen Komfort und adaptive Komfortgrenzen unter Verwendung dynamischer Simulationen und klimasensitiver Wetterdaten.

🇫🇷 Frankreich (RE2020) geht noch einen Schritt weiter, indem es die Intensität der Überhitzung über die Zeit anhand von Gradstunden berücksichtigt und dabei Hitzewellen sowie Klimaresilienz explizit einbezieht. Attia et al. identifizierten RE2020 als eines der fortschrittlichsten Rahmenwerke zur Bewertung von Überhitzung in Europa.

🇬🇧 TM59:2026 führt die vielleicht am stärksten auf die Bewohner ausgerichtete Methodik ein. Über den Komfort hinaus bewertet sie die Schlafqualität, Einschränkungen beim Öffnen von Fenstern, Lärm, Sicherheit, Luftqualität und die Wirksamkeit passiver Kühlung, bevor auf mechanische Systeme zurückgegriffen wird.

Der Kontrast ist faszinierend:

📌SIA 180 fragt: Ist das Gebäude komfortabel?

📌RE2020 fragt: Wie viel Überhitzung sammelt sich an?

📌TM59 fragt: Wann und wie sind die Bewohner betroffen?

🌡Da Hitzewellen in ganz Europa immer häufiger auftreten, nähern sich diese Ansätze einem gemeinsamen Ziel an:

👉Die Gestaltung von Wohnungen, die in einem sich erwärmenden Klima bewohnbar, gesund und widerstandsfähig bleiben.

☀️Bei der Zukunft der Gebäudeperformance geht es nicht mehr nur um Energieeffizienz.

Es geht um thermischen Komfort im Sommer, Schlaf, Gesundheit und Widerstandsfähigkeit.

Quellen:

Shady Attia et al.: Berechnungsmethoden, Kriterien und Indikatoren zur Überhitzung in europäischen Vorschriften für Wohngebäude (2023)

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0378778823004000?via%3Dihub

TM59 Überhitzungsrisiko in Wohngebäuden – eine Methodik für die Planungsphase (2026)

https://www.cibse.org/knowledge-research/knowledge-portal/technical-memorandum-59-design-methodology-for-the-assessment-of-overheating-risk-in-homes

📢Nicht nur in Grossbritannien, sondern auch in der Schweiz wird Überhitzung zur Planungsherausforderung.

Die Chartered Institution of Building Services Engineers (CIBSE) hat soeben die aktualisierte Ausgabe von TM59 veröffentlicht: „Overheating Risk in Dwellings – A Design Stage Methodology (2026)“, das führende Rahmenwerk zur Bewertung des Überhitzungsrisikos in Wohngebäuden mithilfe dynamischer thermischer Simulationen.

Die neue Ausgabe berücksichtigt die neuesten Klimaprognosen, Forschungsergebnisse zum Schlafkomfort, aktualisierte Überhitzungskriterien und legt einen stärkeren Schwerpunkt auf eine „Passive-First“-Planung.

Kernaussagen aus TM59:

✅ Überhitzung bereits in der Planungsphase bewerten

✅ Passiven Massnahmen wie Beschattung, natürlicher Lüftung und thermischer Masse Vorrang einräumen

✅ Gebäude unter zukünftigen Klimabedingungen testen

✅ Abhängigkeit von mechanischer Kühlung und damit verbundenen Energieverbrauch reduzieren

✅ Sommerkomfort, Gesundheit und Widerstandsfähigkeit der Bewohner verbessern

📢Warum sollte dies Schweizer Fachleute interessieren?

In der Schweiz treten immer häufiger und intensiver Hitzewellen auf. Gleichzeitig werden moderne Wohngebäude zunehmend luftdicht, hochisoliert und verfügen oft über grosse Verglasungsflächen. Diese Eigenschaften fördern zwar die Energieeffizienz im Winter, können aber das Risiko einer Überhitzung im Sommer erheblich erhöhen.

📢Obwohl TM59 für Grossbritannien entwickelt wurde, stellt CIBSE ausdrücklich fest, dass die Methodik auch für andere Regionen mit gemässigtem Klima von Nutzen ist.

Für Schweizer Planer, Architekten, Ingenieure und Forscher bietet TM59 einen soliden und transparenten Rahmen, um:

👉den Sommerkomfort objektiv zu bewerten

👉klimaresiliente Wohngebäude zu entwerfen

👉Energieeffizienz und Wohlbefinden der Bewohner in Einklang zu bringen

👉die künftige Anpassung der Schweizer Norm SIA 180 (in Überarbeitung) zu unterstützen

📢Da die Klimaanpassung zu einer zentralen Planungsaufgabe wird, lohnt es sich, TM59 weit über das Vereinigte Königreich hinaus zu untersuchen.

Bei der Zukunft des nachhaltigen Wohnens geht es nicht nur darum, Gebäude im Winter warm zu halten – es geht ebenso darum, sie im Sommer angenehm zu gestalten.

https://www.cibse.org/knowledge-research/knowledge-portal/tm59-overheating-risk-in-dwellings-a-design-stage-methodology-2026

🔥 Europas fünf Hitzewellen in diesem Jahr senden dieselbe Botschaft: Wir sind immer noch nicht bereit

Nach fünf grossen Hitzewellen in Europa in diesem Jahr wird eine Realität zunehmend unmöglich zu ignorieren: Extreme Hitze ist keine Ausnahme mehr – sie wird zur Norm.

Ein aktueller Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) und Eurofound weist hervor, dass vier von fünf Befragten in den letzten fünf Jahren klimabedingte Auswirkungen erlebt haben, wobei unangenehme Hitze eines der am häufigsten gemeldeten Probleme ist. Gleichzeitig bleiben die Bedenken hinsichtlich zukünftiger Hitzerisiken in ganz Europa hoch.

Was vielleicht noch besorgniserregender ist, ist das Grad der Vorbereitung. Weniger als die Hälfte der Befragten gab an, wichtige Wärmeschutzmassnahmen wie äussere Beschattung oder effektive Dämmung zu haben, während nur etwa ein Drittel über Kühl- oder Lüftungssysteme verfügt. Mehr als jeder fünfte Haushalt gab an, über keine der in der Umfrage aufgeführten Massnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit zu verfügen.

Für den Bau- und Immobiliensektor sind die Implikationen klar:
✅ Hitzebeständigkeit muss ein zentrales Designziel werden.
✅ Passive Lösungen wie äußere Beschattung, Lüftungskühlung und thermische Masse werden zunehmend wichtig.
✅ Klimaanpassung ist nicht mehr nur ein Umweltproblem – es geht um Gesundheit, Komfort, Produktivität und Vermögenswerte.

Die Frage ist nicht mehr, ob wir unsere Gebäude an ein wärmeres Klima anpassen müssen. Die Frage ist, wie schnell wir es schaffen können.

FREI WÜEST EXPERT beteiligt sich an der nationalen, europäischen und weltweiten Normenarbeit, um Lösungen für die Klimaadaption von Gebäuden in Normen implementieren zu können.

Quelle: «Überhitzt und unvorbereitet: Die Erfahrungen der Europäer im Leben mit dem Klimawandel», Europäische Umweltagentur und Eurofound, 50 Seiten, 2026.

Neue Technische Spezifikation FprCEN/TS 18335 für ventilative Kühlung jetzt in der Schlussabstimmung

FREI WÜEST EXPERT beteiligt sich an der Normenarbeit

Hitzewelle in der Schweiz – und unsere Gebäude sind (noch) nicht bereit

Die aktuellen Temperaturen zeigen eindrücklich: Überhitzung ist längst Realität – auch in unseren Breitengraden

Mit der neuen europäischen Technischen Spezifikation FprCEN/TS 18335:2026 (bald auch für die Schweiz relevant) verändert sich der Blick auf Gebäudekühlung grundlegend:
👉 Weg von rein aktiver Kühlung
👉 Hin zu resilienten, passiven Lösungen
💡 Im Zentrum steht die ventilative Kühlung – also das gezielte Nutzen von Aussenluft zur Abführung von Wärme.

Warum das entscheidend ist:
👉 Gebäude verursachen einen massiv steigenden Kühlenergiebedarf
👉 Klimaanlagen verstärken Stromspitzen und CO₂‑Emissionen
👉 Fluorierte Kältemittel verursachen persistenten TFA Eintrag im Grundwasser
💡Hitzewellen werden häufiger und intensiver

Diese neue Technische Spezifikation zur ventilativen Kühlung fordert daher eine klare Priorität:
1️⃣ Hitze vermeiden (Sonnenschutz, thermische Masse, Umgebung)
2️⃣ Passiv kühlen (z. B. durch Nachtlüftung)
3️⃣ Aktiv kühlen – nur wenn nötig

Diese «Cooling Ladder» wird zur Schlüsselstrategie für klimaresiliente und energieeffiziente Gebäude.

🔍Fazit:
Die aktuelle Hitzewelle ist kein Ausreisser – sondern ein Vorgeschmack.
Jetzt ist der Moment, Planung und Gebäude konsequent auf Resilienz statt Reaktion auszurichten.

Neue Technische Spezifikation FprCEN/TS 18351 für natürliche und hybride Lüftung jetzt in der Schlussabstimmung

FREI WÜEST EXPERT beteiligt sich an der Normenarbeit

Die neue Technische Spezifikation FprCEN/TS 18351 schliesst eine wichtige Lücke: Erstmals gibt es eine strukturierte, praxisnahe Grundlage für die Planung von natürlichen und hybriden Lüftungssystemen – ein Thema, das bisher in CEN-Normen nicht einheitlich geregelt war.

Im Fokus stehen klare Leitlinien für die Auslegung in Nichtwohngebäuden, mit dem Ziel, eine gute Innenraumluftqualität (IAQ) sicherzustellen. Dabei werden sowohl natürliche Systeme als auch Kombinationen mit mechanischer Lüftung (hybride Systeme) berücksichtigt.

💡 Warum das wichtig ist:

  • Natürliche Lüftung entwickelt sich von einfachen, unkontrollierten Ansätzen hin zu bedarfsgerechten Lösungen mit Kühlfunktion
  • Hybride Systeme kombinieren die Stärken beider Welten
  • Anforderungen werden sowohl leistungsbasiert als auch präskriptiv beschrieben

Neben IAQ beleuchtet das Dokument auch zentrale Aspekte wie Energie, Komfort, Instandhaltung und thermische Resilienz – etwa im Hinblick auf zukünftige Klimabedingungen.

🌱 Fazit: Diese Technische Spezifikation normiert auf europäischer Ebene erstmalig die natürliche und hybride Lüftung in Nichtwohngebäuden. Sie wird in der Schweiz als Technische Spezifikation des SIA übernommen. Zusammen mit der künftigen EN 15665 für Wohnbauten wird die Möglichkeit geschaffen, anforderungs- und leistungsbasierte Methoden zur Bemessung von Luftvolumenströmen einzusetzen.

Die Strasse ist die neue Zigarette.

NZZ am Sonntag vom 22. Februar 2026



Ist die Strasse tatsächlich die neue Zigarette ?
Das ist zu plakativ und tendenziös.

Feinstaub, der als mögliche Ursache für Lungenkrebs bei Nichtrauchern gilt, stammt nicht nur von der Strasse.

Feinstaub stammt auch von der Schiene, von Flughäfen, aus anderen Verbrennungsprozessen (aussen und innen), von uns selbst…

Wir haben eine sehr enge Vorstellung von den Beschaffenheit des Feinstaubs.
Denken wir doch etwas weiter !
Schimmelpilzsporen, feinste Plastikpartikel, kleinste Pollen…

Feinstaub PM2.5 und PM10 beeinträchtigen in Innenräumen unsere Lebenserwartung am meisten (79%).

Da wir 90% unserer Zeit in Innenräumen verbringen, sollten wir uns gut überlegen, was wir einatmen und von wo dieses Was herstammt.

Lungenkrebs von Nichtrauchenden, der von der Exposition des Menschen in Innenräumen herstammt, sollte besser erforscht werden.

Daher plädiere ich dafür, dass für die Dimensionierung der Be- und Entlüftung von belegten Innenräumen nebst Geruch (olf) und Feuchte auch die Gesundheit als Zielgrösse berücksichtigt wird.

Daran arbeitet das Ingenieurbüro FREI WÜEST EXPERT auf europäischer Ebene im CEN-Normenkomitee TC 156 zur Lüftung von Gebäuden.

DALYs sind die neue Währung.
(Disability Adjusted Life Years)

REHVA World Congress Clima 2025

Mailand, 4.-6. Juni 2025

FREI WÜEST EXPERT ist mit zwei Konferenzbeiträgen vertreten:

Challenging design boundary conditions for today’s HVAC engineers
präsentiert von Beat Frei am Donnerstag 5. Juni 2025 in der Session Environmental impact of new technologies, economic and social consequences 3

Contemplated changes to the adaptive thermal comfort part of EN 16798-1
präsentiert von Atze Boerstra (NL) am Freitag, 6. Juni 2025 in der Session Adaptive and integrated technologies for the building envelope 1

Homepage – CLIMA 2025

Akute Feinstaubbelastung beeinträchtigt ausführende kognitive Fähigkeiten nach vier Stunden – unabhängig vom Inhalationsweg

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass das Einatmen von Feinstaub PM2,5 über einen Zeitraum von nur einer Stunde die kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit und emotionale Wahrnehmung innerhalb von vier Stunden beeinträchtigen kann, was die Dringlichkeit von Massnahmen zur Verbesserung der Aussen – und Innenraumluftqualität unterstreicht.

An der Studie nahmen 26 Erwachsene (Alter = 27,7 ± 10,6 Jahre) unter vier Bedingungen teil. Sie wurden eine Stunde lang entweder hohen Feinstaubkonzentrationen oder sauberer Luft mit normaler Inhalation oder eingeschränkter nasaler Inhalation und Geruchswahrnehmung mit einem Nasenclip ausgesetzt.

Unter den Bedingungen der Feinstaubbelastung betrug die mittlere PM2,5-Konzentration 28,54 ± 6,85 μg/m3. Bei sauberer Luft betrug die mittlere PM2,5-Konzentration 3,99 ± 1,20 μg/m3.

Die Inhalationsmethode hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Effekte, was darauf hindeutet, dass eine kurzzeitige Feinstaubbelastung die kognitive Funktion entweder direkt oder indirekt über Lungen-Hirn-Mechanismen beeinflusst.



https://www.nature.com/articles/s41467-025-56508-3.pdf





Klimaszenario 2035 RCP8.5 – wo stehen wir heute ?

Das Ingenieurbüro FREI WÜEST EXPERT hat untersucht, wie weit der Klimawandel nach dem projizierten Klimaszenario 2035 (Stand Ende 2024) bereits fortgeschritten ist. Dazu wurden im Rahmen des BFE Projekts RePPER die gemessenen Feuchtkugeltemperaturen von 2015 bis 2024 für die drei Messstationen Lugano, Zürich Fluntern und Zürich Kasernenstrasse ausgewertet. Die Anzahl Stunden mit Feuchtkugeltemperaturen über 19°C wurde mit den aktuellen Auslegedaten von SIA 2028 und dem Klimaszenario 2035 verglichen.

Die Feuchtkugeltemperatur spielt unter anderem für die Rückkühlung von Kälteanlagen und die Wärmeregulation der Körpertemperatur von Lebewesen eine wichtige Rolle.

Es wird immer deutlicher, dass der Klimawandel schneller und stärker voranschreitet als erwartet. In Lugano werden bereits heute die Werte für 2035 deutlich überschritten (vgl. LUG_2035 RCP8.5). Ebenso in der Stadt Zürich (vgl. NABZUE_2035 RCP8.5 resp. SMA_2035 RCP8.5)
Dies erhöht die Unsicherheiten bei der Planung von Heizungs- Lüftungs- und Klimaanlagen und erfordert eine Aktualisierung der Auslegedaten im Merkblatt SIA 2028.

Über Unsicherheiten und Herausforderungen für heutige HLK-Planer wird FREI WÜEST EXPERT am REHVA Worldcongress CLIMA 2025 in Mailand (4.-6. Juni 2025) berichten.

B. Frei, Challenging design boundary conditions for today’s HVAC engineers, REHVA Worldcongess CLIMA 2025 (Paper submitted)

H. Huber, S. Dugaria, B. Frei, Reduction of Power Peaks by Enthalpy Recovery, BFE Final report, 2024 https://www.aramis.admin.ch/Grunddaten/?ProjectID=51497

Beat Frei von FREI WÜEST EXPERT ist neuer Convenor der Arbeitsgruppe 21 im CEN/TC 156

Beat Frei von FREI WÜEST EXPERT übernimmt per 1. Juni 2023 als neuer Convenor die Führung der Normen-Arbeitsgruppe 21 im CEN/TC 156. Er ist Nachfolger von Gerhard Zweifel und wurde im Wahlverfahren von 19 CEN-Mitgliedstaaten ohne Gegenstimme bei 7 Enthaltungen für die 6-jährige Amtsdauer gewählt.

Die Normen-Arbeitsgruppe 21 befasst sich mit der Energieeffizienz von Lüftung und Kühlung und umfasst 30 Experten aus 11 CEN-Mitgliedsstaaten.

Wichtigster Schwerpunkt der Normen-Arbeitsgruppe ist derzeit die Erarbeitung der Technischen Spezifikation für Systeme der Ventilativen Kühlung. Diese Technische Spezifikation soll später zu einer Europäischen Norm werden. Angesichts der zunehmend heisseren Sommer wird die Ausnützung der Nachtkühlung immer wichtiger.